1993-09-06-1

Vor dem Hintergrund wachsender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland


In diesem Schuljahr findet an unserer Schule die Arbeitsgemeinschaft „Lesen ohne Grenzen“ statt. Unter diesem Titel setzen sich 15 Schülerinnen und Schüler in einem wöchentlichen Lesekreis intensiv mit dem Schicksal und der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen auseinander, die in Deutschland in zwei Kulturen leben: in der Kultur ihres Herkunftslandes und in der ihrer neuen Heimat Deutschland.

Durch die gemeinsame Lektüre von Romanen und Erzählungen aus der Perspektive junger Menschen mit Migrationshintergrund erhalten die Schülerinnen und Schüler authentische Einblicke in die Herausforderungen und Konflikte, aber auch in die Chancen und Bereicherungen eines Lebens zwischen zwei Welten. Gelesen werden unter anderem die Bücher

  • Staatsangehörigkeit: griechisch von Sigrid Schuser-Schmah
  • Oya – Fremde Heimat Türkei von König, Straube und Taylan
  • Der Schatten des Halbmonds von David Kherdian
  • Ein Mundvoll Erde von Stefanie Zweig
  • Sumitra – zwischen zwei Welten von Rukshana Smith und
  • Sirtaki von Dieter Schliwka

Zeitungsartikel, Plakate und Berichte über fremdenfeindliche Übergriffe und rechtsextreme Gewalt – zuletzt der schreckliche Brandanschlag in Solingen – machen deutlich, wie dringend das Thema ist. Die Schülerinnen und Schüler diskutieren nicht nur literarische Texte, sondern setzen sich auch kritisch mit Vorurteilen, Ausgrenzung und der Frage auseinander, was „Heimat“ für Menschen bedeuten kann, die in zwei Kulturen zu Hause sind – oder in keiner ganz. Mit dem Namen „Lesen ohne Grenzen“ wollen die Schülerinnen und Schüler der AG bewusst ein Zeichen setzen: Lesen als Brücke, Literatur als Mittel zum Verständnis und zur Überwindung von Grenzen in den Köpfen. Die Arbeitsgemeinschaft ist ein wichtiges schulisches Projekt für interkulturelles Lernen, Empathie und Zivilcourage – gerade jetzt.